Traurig aber wahr – Schreibübung

​Heute Morgen ist irgendwie wieder so ein Tag. Sarah weiß nicht, was dazu geführt hat, aber ihre Gefühle spielen wieder Ping Pong mit ihr. Sie schwankt zwischen Traurigkeit, zwischen Wut, auch ein Stück Hass kommt immer wieder hervor. Doch sie kann sich zügeln, zu lange in ihrem Leben musste sie ihre Gefühle unterdrücken. Unter Druck halten könnte man sagen, doch jeder weiß, was mit einem heißen Kochtopf passiert, dessen Druck zu lange zurück gehalten wurde. So in der Art geht es Sarah heute wieder, doch sie weiß sich zu beherrschen. Die tiefe Trauer zieht sich schon lange durch ihr Leben, dennoch ist sie immer ein Mensch geblieben der das Lachen nicht verlernt hat. Sie weiß, dass selbst der traurigste Tag am Abend endet und dass auch die schwerste Traurigkeit an manchen Tagen verschwunden sein wird. Ihr Lebensmotto ist, sich ihren Optimismus zu bewahren und ihren Humor nie zu verlieren. Wenn sie zurück denkt an die alten Zeiten könnte sie in einem tiefen Loch landen. Sie könnte jammern, über die Ungerechtigkeit, die Schmach, die Gewalt und über die Art und Weise wie man sie behandelt hat, doch sie blickt kaum zurück, nur das heute zählt. Doch die Gefühle von damals kommen zu oft empor und vergiften ihr Dasein. Ein Drache der im Hinterkopf spukt und bei Gelegenheit das Hirn zum brennen bringt. Doch sie will sich davon nicht mehr vereinnahmen lassen. Zu lange Zeit war der Drache ihr Herrscher, zu lange waren die Erinnerungen ihr tägliches Brot. Es muss auch mal gut sein. Die Vergangenheit muss ruhen, doch auch wenn die Erinnerungen von Tag zu Tag verblassen, so bleiben die Gefühle der Hilflosigkeit und der Demut. Wie ein gebeutelter Hund schlägt sich Sarah durch die Menge, ihr Herz ist ihr schwer, doch es muss vorwärts gehen. An der nächsten Ampel angelangt wartet sie auf das Grün der Ampel und ein kurzer Moment durchfährt sie wieder der Gedanke. Das nächste Auto, der nächste Bus es wäre so ein leichtes, einen Schritt vor und dem Schicksal seinen Lauf lassen, doch sie beherrscht sich denn es gibt noch einiges zu tun.

(c) by Carmen BSt. 03.09.2016

Wut

so unsagbar wütend
so durchdrungen des Schmerzes Lust
verdammt seist du
der Hass durchfährt meine Glieder
unerbittlich prescht er empor
will dich leiden sehen
will dein Blut an seiner Klinge führen
will dir nehmen, was du meinst zu sein
Arroganz mag deine Maske sein
doch fallen wirst du
wie schon tausend andere zuvor
und wenn ich die Klinge gegen dich führen soll
so werde ich mein Sein erfüllen
trostlos wie weit es gekommen
doch wo der Hass einmal seine Klauen erhebt
wird kein Stein mehr auf dem Anderen sein
“Vergib mir” schreie ich dir entgegen
auch wenn ein Stück meiner Liebe sich hervortut
dich flehentlich bittet
so ist der Hass zu groß
zu tief hat er seine Bahnen gezogen
wie ein Geschwür zieht er sich durch meine Gebeine
und will nur noch Vergeltung!

(c) by Carmen BSt. 03.09.2016

der Wunsch nach Nähe

In meinen Gedanken du spukst umher
ein Kreisen, ein begierig Sehnen
möchte deine Hand halten
deine Brust an der meinen spüren
nah so nah, dass selbst der Herzschlag verschmilzt
doch eine undurchdringliche Mauer steht vor mir
und ich bin zu schwach um sie zu besteigen
ich denke ich ziehe mich in mich selbst zurück
da kenne ich mich aus
da fühle ich mich wohl
da bin ich zuhause
der Wunsch dennoch in mir
ein Sein was hätte werden können
doch auch gut was es schon ist
so schließe ich für heute die Augen
und warte ab was das Morgen bringt…
(c) by Carmen BSt.

Tödlich genervt…

​Es ist wieder so ein Morgen. Ich stehe vor dem Spiegel und meine Nägel krallen sich in das Porzellan des Waschbeckens. Mein Kopf ist gesenkt. Ich kann es nicht fassen. Ein neuer Morgen und wieder fühle ich mich im Hamsterrad gefangen. Mein allmorgendliches Ritual, das morgendliche Gut zureden, haben kaum noch Wirkung meiner Motivation den Antrieb zu geben. Ich schwebe zwischen dem Moment laut los zu schreien oder einfach alles um mich herum kaputt zu schlagen. Doch ich bleibe ruhig. Ich weiß es ist der Moment wo ich Ruhe bewahren muss, sonst tue ich mir nur selbst wieder weh. Der Moment ist mir ein Graus, doch ich raffe mich auf die alltägliche Routine hinter mich zu bringen. Ich putze mir die Zähne und bringe sogar ein kurzes Lächeln zustande. Ok vielleicht erinnert es eher an einen mordlüsternen Gesellen, der dir gleich die Kehle aufschlitzen will, aber ok es ist schon mal ein Lächeln. 

Das Bad hinter mich gebracht, setze ich mich noch einmal an den Küchentisch. Zu verlockend noch ein wenig Zeit verstreichen zu lassen. Einen Schluck Kaffee gepaart mit der ersehnten Zigarette. Ich blase den Rauch aus und wünschte auch meine Probleme würden sich mit ihm auflösen. Doch dies wäre zu leicht und mein Leben hat mir schon zu oft gezeigt, dass nur stark wird, wer durch die größte Scheiße watet. Als es knapp wird packe ich mich zusammen und mache mich auf in den täglichen Trott. Die Arbeit wartet und will vollbracht werden. Ein kurzer Gedanke durchzuckt mich und ich lächle wieder. Das Fuck you all liegt mir auf der Zunge, doch ich lasse es. Hören würde es eh niemand. Doch das Lächeln bleibt mir bewahrt und so mache ich mich auf den Weg zu tun was getan werden muss.

Auf dem Weg zum Bus werde ich mir noch eine Zigarette gönnen, denn wer weiß wann ich die nächste Gelegenheit dazu bekomme. Als der Bus am Bordstein anhält, steige ich ein und erhalte vom Busfahrer ein “Guten Morgen!”. Ich frage mich nur was an dem Morgen gut sein soll, ich musste aufstehen und es ist kein Wochenende! Aber egal. Ich laufe weiter durch den Bus und suche mir in der Abgeschiedenheit einen Sitzplatz. Da auch zu so früher Stunde einige Menschen unterwegs sind und ich heute gar keine Gespräche anderer ertrage, stecke ich mir die Kopfhörer in die Ohren und schalte meinen iPod ein. Wie so oft ertönt als erstes Lied “Combichrist – Without Emotions” und ich denke mir, es wäre zu schön jegliche Emotionen komplett ausschalten zu können. Kein Hass, keine Furcht, kein Ärger einfach nur pures Sein. 

Während ich mir den Bass in die Ohren schallen lasse bemerke ich einen Blick von schräg gegenüber. Ich sehe hin und treffe genau auf ein Stück Augenpaar was mich fixiert. Wut steigt mir empor, denn glotzen ist unhöflich und so versuche ich den Blick wieder abzuwenden. Doch die Blicke heften penetrant auf mir und beobachten mich. Mir wird ganz heiß im Gesicht. Ich will der Situation entfliehen und einfach woanders sein. Mir wird schwindlig und für einen kurzen Moment denke ich, ich verliere das Bewusstsein. Ich schließe die Augen und versuche tief durchzuatmen. Als ich die Augen wieder öffne, sehe ich, dass ich genau vor dem Glotzer stehe und nun sehe ich ihn an. Sein Blick ist plötzlich ängstlich und flehend und ich sehe an ihm herunter und sehe wie mein Brotmesser genau zwischen seinen Rippen steckt. 

…to be continued? Who knows…

(c) by Carmen BSt.

Und dann?…

Kennst du den Moment?
Ein Deja vú macht sich in deinem Hirn breit
doch es endet plötzlich
das Ende verborgen
doch die Furcht dir schon in die Glieder gefahren
der Moment war verschreckend,
beängstigend und beklemmend.
Du willst wissen wie es weiter geht?
Was dann kommt?
Was der Angst den Grund gibt?
Was dich derart fürchten ließ?

Doch die Zukunft nur ein schwarzes Loch
verborgen in 1000 Möglichkeiten
getauft mit der Ungewissheit
es heißt, mit viel Wissen
kommen tausend neue Fragen,
doch die Unwissenheit kann verunsichern
sie lässt uns kalt im Regen stehen
ich denke sie labt sich an unserem Leid
Oscar Wilde sagt: “Am Ende wird alles gut.
Und wenn es noch nicht gut wird, ist es 
noch nicht das Ende.”

(c) by Carmen BSt. 

Wissen

Wissen ist Macht
nichts wissen macht auch nichts ;-)
doch zum Lernen wir sind geboren
von klein bis groß
das Wissen ist unerschöpflich
doch wo Wissen gründet
es wirft Fragen auf
Fragen nach einem Wieso, einem Warum und Weshalb
der Mensch ein Tier
die Fähigkeit zum Denken erhalten
doch er nutzt es nur für seine Zwecke
Wissen weiterreichen macht uns alle schlau
doch so will man andere kleinhalten
ihnen nur erzählen, was man meint, dass ihr begrenztes Hirn erfassen kann
doch auch hier die Möglichkeiten unerschöpflich
die Kapazitäten weitreichend
wir müssen es nur testen und uns trauen
uns einlassen auf den Wunsch offene Fragen zu beantworten
Für uns selbst, für andere, für uns alle!

(c) by Carmen BSt.

Schreibübung Lost

Hier steht sie nun. Sarah hat die Hände in den Hosentaschen vergraben und ballt sie zur Faust. Sie ist wütend, so unsagbar wütend. Am liebsten würde sie ihrer ganzen Wut Luft machen indem sie einfach laut schreit. Aber sie ist nicht allein im Fahrtstuhl und die anderen würden sie vermutlich nur für bekloppt halten. Sarah muss sich beherrschen doch die Wut zieht ihren Magen zusammen und ihre Gedanken fahren Achterbahn. Am liebsten würde sie ihre geballte Faust in das Gesicht ihres Ex-Mannes rammen, einfach nur um zu sehen, wie blöd er dann mal guckt. Doch sie weiß den Mut hat sie nicht. Dennoch ist sie wütend auf ihn, auf sich selbst und auf das Schicksal. Eben auf alle, die ihr immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Heute ist sie am meisten auf sich selbst wütend. Wie immer ist sie nicht pünktlich außer Haus gekommen und das ist vermutlich auch der Grund warum sie jetzt in dieser Misere steckt. Sarah lehnt sich zurück an die Fahrstuhlwand und atmet tief aus. Sie denkt an heute Morgen als sie noch verträumt am Küchentisch saß und ihr Nutellabrot aß. Für ihr Alter war das Nutellabrot eigentlich keine ausgewogene Mahlzeit mehr, doch sie mochte den Gedanken an die Zeit als noch Johannes mit an dem Tisch saß und immer genüßlich in sein Nutellabrot biss. Sarah erinnert sich an sein Lächeln und schon ringt sie mit einer Träne. Der Schmerz ist groß und sie kann sich ein Leben ohne Johannes nicht vorstellen. Sie will es sich auch nicht vorstellen müssen. Sarah weiß, für ihn muss sie kämpfen, auch wenn sie ihre letzten Kräfte dafür aufbringen muss. Sarah reißt ihre geballten Fäuste aus den Hosentaschen und schlägt mit aller Wucht gegen die Fahrstuhltür. “Hallo? Kann uns endlich jemand hier raus helfen?” Der adrette junge Mann im Anzug hinter ihr legt ihr behutsam die Hand auf die Schulter. “Fräulein, wir haben den Notruf doch schon getätigt. Es dauert eben einfach eine Weile bis sie uns hier rausgeholt haben. Aber die Hilfskräfte sind dran, also haben sie bitte noch ein wenig Geduld.” Geduld, hah, das ist gerade etwas was Sarah eben nicht hat. Zwei Stockwerke über ihr wird gerade über das Sorgerecht für Johannes entschieden. Und ihr Ex-Mann will das volle Sorgerecht und Sarah würde ihren kleinen Johannes nie wieder sehen. Sie kämpft mit den Tränen, es ist einfach zuviel für ihr Herz. Doch die Verzweiflung hat sie im Griff und sie lässt sich an der Fahrstuhlwand zu Boden sinken.

Und nun? Was wollen wir?
Wollen wir Sarah in dem Fahrstuhl versauern lassen? Wollen wir sie ihren wichtigen Gerichtstermin um das Sorgerecht für Johannes verpassen lassen und sie damit zu einem Leben ohne ihn verbannen?

Sarah hat ihr Gesicht in den Händen vergraben und weint innerlich. Die Blöße es laut rauszulassen will sie sich hier vor den Fremden nicht geben. Sie sieht auf die Uhr und weiß, ihren Gerichtstermin hat sie schon lange verpasst, dennoch glüht etwas Hoffnung in ihr. Mit einem lauten Rumpeln wird die Fahrstuhltür von außen aufgestemmt und Sarah sieht das Licht hereinfallen. Für einen kurzen Moment fühlt sie Erleichterung, endlich doch noch aus dem Fahrstuhl zu kommen. Doch den Termin hat sie verpasst da macht sie sich kaum noch Hoffnungen. Als Sarah aus dem Fahrstuhl gerettet wird will sie trotzdem noch in den für sie vorgesehenen Gerichtssaal sehen, nur um sich in Gedanken den Ort einzuprägen, der ihren Johannes für immer von ihr trennte. Als sie im 5ten Stock angekommen ist, steht die Tür zum Gerichtssaal offen. Sie tritt ein und findet ihn leer vor, nur noch eine kleine Dame ist dabei ihre Sachen zusammenzupacken. Sarah geht auf sie zu “Entschuldigung, das ist doch der Gerichtssaal wo eben über das Sorgerecht von Johannes Lost entschieden wurde.” “Ja, sind Sie Frau Lost?” “Ja und es tut mir leid, dass ich nicht anwesend war.” “Frau Lost, das ist kein Problem, uns wurde gemeldet, dass sie im Fahrstuhl steckten und die Richterin hat daraufhin den Gerichtstermin auf in zwei Wochen verschoben. Sie bekommen dazu auch noch gesondert eine neue Einladung.” Sarah traute ihren Ohren nicht, ein ungeheures Glücksgefühl überkam sie als sie realisierte, dass sie noch eine zweite Chance bekam und dieses Mal wollte sie pünktlich sein.

(c) by Carmen BSt

Die Gier

Die Gier steckt mir im Hals
zu hastig verschlungen
die Wohltat
die unser Herz erwärmt
zu sehr geschlungen
fast verschluckt
zu eng der Hals
der Brocken zu groß
wir sind süchtig
nach den Worten die uns zum Lächeln bringen
nach den Berührungen die uns gut tun
nach der Liebe die wir alle unser eigen nennen wollen
wir sind ausgehungerte Wesen
die Kälte hat uns heimgesucht
und uns verärmen lassen
nur der Liebe ist es möglich
wieder Licht in unser Dunkel zu bringen
wir dürsten nach Erlösung
doch nur zaghaft strecken wir die Hand aus
zu lange haben wir gewartet
zu lange mussten wir frieren
zu lange hat uns die Einsamkeit erkalten lassen
doch die Erlösung so nah
nur der Mut muss aufgebracht werden
alle Vorurteile fallen zu lassen
aller Angst den Rücken zu kehren
allem Misstrauen leb wohl zu sagen
und die Hand zu ergreifen
die uns gereicht wird

(c) by Carmen BSt.

Gedankenwirrwarr

Gedanken springen dahin
springen dorthin
keine Möglichkeit einen festzuhalten
oder alle bis auf einen auszublenden
Ruhe wäre der perfekte Zustand
doch Gedanken können so unerträglich laut sein
sie wollen sich Gehör verschaffen
sie wollen beachtet werden
doch wie dem gerecht werden
wenn alle so laut durcheinander brüllen
es dröhnt hinter den Schläfen
denn jede Stimme will das Wort ergreifen
fokussiere dich
breche aus, aus dem Wirrwarr
erhebe das Stoppschild
und schreie Halt
denn nur so kann die ersehnte Ruhe einkehren.

(c) by Carmen BSt.

Getrieben

getrieben von einem Gedanken
Ruhelosigkeit durchfährt mich
Unheil verkündend
oder das Heil versprechend
wer weiß es
mein Weg führt mich
doch wohin?
ich gehe einen Schritt nach dem anderen
so wie ein Gedanke dem anderen folgt
soll ich?
soll ich es wagen?
Es heißt nur wer das Risiko eingeht kann gewinnen
doch auch verlieren so denke ich
Erfolg ist kein Versprechen
eine Laune der Natur
des Schicksals
es kommt wie es kommt
es wird wie es sein soll
so kann ich es doch auch einfach lassen
doch wer erst garnicht wagt
wird nie gewinnen können
und so nehme ich die Herausforderung an
und laufe los

(c) by Carmen BSt.